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LebenslaufVendredi 30 Avril 2010
Ein demokratischeres Europa mit mehr Einfluss in der Welt : Das ist das Projekt, für das ich mich ohne Unterlass seit mehr als 25 Jahren einsetze. Auch wenn mein Engagement im Laufe der Jahre verschiedene Formen angenommen hat, habe ich doch immer darauf geachtet, dass ich von keiner Interessengruppe, ob Behörde, Unternehmen, Ideologien etc. abhängig wurde. Das war und ist schwierig, aber ich denke, dass nur so mein politisches Engagement einen wahren Wert hat. Aber urteilen Sie selbst… ------------- Ich bin heute 50 Jahre alt, Forschungsdirektor des Laboratoire européen d’Anticipation politique (LEAP) und Gründer und Ehrenpräsident der Newropeans. Ich bin einer der Gründungsväter des Erasmus-Programms.
---------- Wie bin ich dahin gekommen, wo ich heute stehe ? Ich wurde am 11. März 1961 in Nizza geboren. Meine beiden Eltern sind Lehrer. Ich bin in den Schulen der Republik in der Umgebung von Paris aufgewachsen, frei und ungezwungen, aber als Einzelkind auch allein und sehr behütet; mein täglicher Spielplatz war nach dem Ende des Schultags der Pausenhof der Schule. Schon damals bekam ich Einblicke in die Machtstruktur einer Gemeinschaft, auch wenn es nur die der Schule war. Aber für Grundschüler sind die Lehrer mächtige Menschen. Als guter Schüler machte ich mit 17 Jahren ein entsprechendes Abitur im Massena-Gymnasium in Nizza, wohin meine Familie nach 15 Jahren in der Region Paris zurückgezogen war. Mein Studentenleben war für mich eine Abfolge von Chancen, Erfahrungen und Herausforderungen : Wissenschaftliches Vordiplom, schwere Erkrankung (Hodgkins-Krankheit im Alter von 20 Jahren), das Leben in Paris als Student des Instituts Sciences Politiques, als Präsident der Studentenvereinigung an der Sciences Po die ersten Gehversuche in der Politik und im Bürgerengagement, Reisen in den Ostblock. Damals startete ich mit der Sciences Po-Studentenvereinigung und den Studenten der anderen großen Universitäten in Paris (Polytechnique, HEC, ESSEC und SupTelecom) die erste gesamteuropäische Studentenvereinigung, AEGEE-Europe. Das waren die Jahre der Eurosklerose, und alle sagten uns: „Das wird nie etwas. Europa ist dem Tode geweiht und interessiert die jungen Generationen nicht.“ Was folgte, bewies das Gegenteil.
---------- Seitdem sind mein Arbeitsleben und mein Engagement in der Politik untrennbar miteinander verbunden und haben als Ziel, ein demokratischeres Europa zu erreichen : Wie schon 1986 angekündigt, gebe ich 1988 den Vorsitz von AEGEE-Europa ab. Damals ist AEGEE die wichtigste europaweite Studentenvereinigung mit dem größten Einfluss in Brüssel. Mit meinen Mitstreitern bei AEGEE gründe ich die erste gesamteuropäische Partei, die Initiative für ein demokratisches Europa (DIE). Damals hätte ich mir nie vorstellen können, dass anschließend an IDE zwanzig Jahre vergehen müssten, bis es wieder den Versuch für eine Wahlbeteiligung einer gesamteuropäischen Partei geben würde. Erst mit den Newropeans 2009 war es soweit. IDE war bei den Europawahlen 1989 in Spanien, Frankreich und den Niederlanden vertreten. Viele Ideen und die Philosophie von IDE leben heute wieder in den Newropeans auf. IDE war der Testlauf für Newropeans. Nur als Anekdote: Im IDE-Programm, das wir 1988 geschrieben hatten, forderten wir die EG auf, sich darauf vorzubereiten, dass in den nächsten zehn Jahren Ost-Europa wieder den Anschluss an Europa suchen würde, denn „ die Sowjetunion wird eine solche Entwicklung nicht mehr lange zu verhindern mögen“. Viele Journalisten zitierten im ersten Halbjahr 1989 sehr gerne diesen Programmpunkt, um nachzuweisen, dass wir „putzig-naive“ Ideen hätten. Die Geschichte hat gezeigt, dass wir mit unserer Einschätzung uns nur in der Zeitangebe geirrt hatten. In den neunziger Jahren setzte ich die Arbeit von AEGEE in der Vereinigung Prometheus-Europa fort. Prometheus war ein Zusammenschluss von jungen europäischen Berufstätigen; seine Aufgabe bestand darin, Interessierte über Europapolitik und europäische Programme zu informieren und den europäischen Institutionen ein feed-back über die Programm-Umsetzung zu bieten. Der zweite Aspekt war natürlich der eigentlich politische und stieß bei den europäischen Institutionen auf nicht viel Gegenliebe. Im Rahmen von Prometheus-Europas stießen wir auf viele Fälle eklatanten Missmanagements der europäischen Programme. Wir informierten darüber die europäischen Institutionen, wobei wir auch immer konkrete Verbesserungsvorschläge vorlegten. 1991 war dabei ein entscheidendes Jahr, als wir einen offenen Brief über das Missmanagement des Tempus-Programms schrieben, weil die Kommission auf unserer Warnungen nicht reagieren wollte. Wir schickten den Brief an 500 hohe Kommissionsbeamte, alle EP-Abgeordneten und alle nationalen Außen –und Bildungsministerien. Der Brief löste eine Untersuchung des Europäischen Rechnungshofs aus, der mich offiziell bat, daran teilzunehmen. Diese Aktion war der erste konkrete Versuch, die Intransparenz der europäischen Programme zu durchleuchten und das erste Anprangern ihres Missmanagements. Mehr als ein Jahrzehnt warnten wir immer wieder die Europäische Kommission davor, dass sie, wenn sie ihre Arbeitsweise nicht komplett auf den Prüfstand stelle, sie sehr bald vor riesigen Problemen stünde, insbs. was die Umsetzung ihrer Programme angehe. Wir wurden als Querulanten abgestempelt. Das Büro von Kommissions-Präsident Santer ließ mich wissen, dass man kein Interesse an unseren Studien und Kommentaren hätte. Ein Jahr später trat die Kommission zurück. Die Ereignisse bestätigten unsere Analysen. Gleichzeitig starten wir in den neunziger Jahren eine Reihe von ungefähr 30 weltweiten Seminaren über die Beziehungen Europas zu den anderen großen Weltregionen: Arabischer Raum, Latein-Amerika, Asien, Türkei, Russland, Nordamerika. Ich bekomme damit einen tieferen Einblick in die Welt und lerne vor allen Dingen die Weltsicht und politischen Ziele vieler meiner Generationsgenossen weltweit kennen. Besonders gerne denke ich an die Zeit zurück, als wir in nur wenigen Wochen Kongresse in Thailand, Peru und den USA organisiert hatten. Es war ein Schock der Kulturen und Ideen, an denen ich viele der Schwierigkeiten der Globalisierung, die in vollem Aufschwung war, miterleben konnte. 1997 bittet mich die Kommission, die europäischen Teilnehmer für einen Workshop „Neue Technik“ auf einem Washingtoner Kongress zusammen zu stellen, auf dem die Zivilgesellschaft an die transatlantischen Beziehungen herangeführt werden soll. Aus diesem Projekt entstand TIESWEB, die im kommenden Jahrzehnt in diesem Bereich richtungsweisend ist. In meinem Engagement für TIESWEB und den in diesem Rahmen veranstalteten Konferenzen konnte ich mehr als zwei Drittel der US-Bundesstaaten bereisen. Dies war eine gute Ergänzung zu meinen Erfahrungen, die ich auf Einladung der amerikanischen Regierung als Teilnehmer des Programms „Junge Europäische Politische Talente“ 1991 sammeln konnte. Es kam die Zeit, dass ich einsah, dass es keinen Sinn mehr hat, meine Zeit mit verkrusteten Bürokratien zu verschwenden, die sowieso sich nicht ändern wollen oder können. Ich startete damals Europe2020 als Think-tank für ein Nachdenken über die Zukunft Europas (Governance, Demokratisierung, Rolle Europas in de Welt, institutionelle Reformen, Erweiterung.) Europe2020 arbeitete mit der Zivilgesellschaft, den europäischen Institutionen und den Ministerien der Mitgliedstaaten. Unsere Arbeit lief parallel zu der der Kommissions-Arbeitsgruppe „Europäische Governance“, mit der wir punktuell zusammen arbeiteten. Die Krise nach dem Rücktritt der Santerkommission ließ die Hoffnungen für Reformen in den Himmel wachsen; doch das Weißbuch der Arbeitsgruppe wurde umgehend vom damaligen Generalsekretär der Kommission kassiert, der, wie das Leben in Brüssel so spielt, niemand geringeres war als der ehemalig zuständige Beamte der Kommission für das Tempus-Programm, dessen Missmanagement wir 1991 angeprangert hatten – Inkompetenz ist in Behörden ein Beförderungskriterium. Wir ließen jede Hoffnung auf eine interne Reformfähigkeit der Kommission fahren; da die meisten jungen guten Beamten aus den Kommissionsdiensten ausschieden, beschloss ich, nicht mehr weiter meine Zeit mit und in Brüssel zu verschwenden; unsere Seminare orientierten sich von da ab an den Beamten der nationalen Ministerien. Dennoch sandten wir bis 2005 unsere Berichte , Analysen und Empfehlungen an die Europäischen Institutionen. Im Rahmen dieser Arbeiten warnten wir die französische Regierung im Oktober 2004 vor dem Scheitern des Referendums über die europäische Verfassung, von dem wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgingen, wenn der Wunsch der Menschen nach Demokratisierung nicht berücksichtigt werde. Wir warnten insbs. davor, dass die Versuche, die Verfassung an die Bevölkerung wie eine Ware zu „verkaufen“ zum Scheitern verurteilt seien. Es müsse Schluss sein mit einem Europa, dass den Menschen erklärt wird, als ob sie kleine Kinder wären, die man mit bunten Ballons bestechen könnte. Die Menschen in Europa wären Bürger, die Politik beeinflussen wollten. Da unser Treffen mit dem Außenminister keinen Nachhall zeitigte, beschloss ich, unter Vorwegnahme des Ergebnis des Referendums, eine neue Phase in meinem politischen Engagement einzuleiten: Da die nationalen Parteien und Regierungen unfähig sind, Europa und seine Veränderungen zu begreifen, seine Institutionen zu reformieren und zu demokratisieren, hilft nur die Teilnahme am politischen Prozess. Sechs Monate lang bereiten wir die Gründung der Newropeans vor, die wenige Tage nach dem Scheitern der Referenden in den Niederlanden und Frankreich vollzogen wird. Gleichzeitig brach ich nach zwanzig Jahren der kontinuierlichen, aber schwierigen Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen die Brücken nach Brüssel ab und startete LEAP, dessen Zielgruppe die allgemeine Öffentlichkeit ist. LEAP konzentrierte sich auf einen Prozess, den ich seit schon einigen Jahren kommen sah und dessen Krisenverschärfung ich als unmittelbar bevorstehend vorhersah: die umfassende weltweite Krise. Im Februar 2006 veröffentlichte LEAP eine entsprechende Pressemitteilung. Zu meiner großen Überraschung verbreitete sich die Mitteilung wie ein Lauffeuer im Internet und wurde von Millionen Internauten gelesen. Während die sogenannten Experten sich den Bauch vor Lachen hielten und sich nur insoweit damit auseinander setzten, dass sie es zum absurden Szenario erklärten. Auch hier sollte uns die Geschichte wieder bestätigen: Seit nunmehr drei Jahren leidet die Welt unter der Krise, die wir vorhersagten. ---------- Aber das ist noch nicht alles. Hier folgt eine nicht vollständige Aufzeichnung meiner Initiativen der letzten 25 Jahre: 1996 ein Kongress in Marrakech über die Beziehungen der EU zu den Mittelmeer-Anrainerstaaten. 1997 lanciere ich im Blair House in Washington anlässlich eines EU-USA-Gipfels TIESWEB, die erste transatlantische Webseite, die sich dem Dialog der transatlantischen Zivilgesellschaften widemt. Im Oktober 2000, in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie auch AEGEE-Europa, veranstalten wir den Kongress « Newropeans 2000 – Neues Europa, neue Herausforderungen, Neue Generationen » an der Sorbonne. Es nehmen beinahe 2000 junge Menschen aus ganz Europa und viele Regierungschefs, Minister und Kommissare teil. Der Kongress gibt seinen Namen an eine Bürgerbewegung, die 2005 zur politischen Partei „Newropeans“ wird. Im Anschluss an diesen Kongress startete ich ein Projekt der e-Demokratie mit EU-StudentVote, mit dem der erste Studentenrat Europas über das Internet gewählt wurde. Dank dieses Projekt zählte ich zu den 25 Finalisten in der Umfrage über die Menschen, die die Welt des Internet verändern (aus 1.096 Vorschlägen aus 30 Ländern), die PoliticsOnline und das 5. IDemokratie-Weltforum veranstalteten. 2002-2003 widmete i ch beinahe ein Jahr einer Serie von 100 Konferenzen mit den Menschen in Europa zum Thema „Welche Zukunft für Europa?“. Der Newropeans Demokratie-Marathon, wie wir die Serie nennen, ermöglichte mir anhand der Diskussionen, die ich mit den Menschen europaweit führen konnte, die Grundzüge des politischen Programms der Newropeans zu entwerfen, dass damit in direktem Kontakt mit den Menschen in Europa entstanden ist und von den Mitgliedern der Newropeans konkretisiert und präzisiert wurde. 2003 wurde ich von der Nachricht überrascht, dass ich von den Lesern des TIME-Magazins zu einem der « Helden Europas 2003 » gewählt wurde. 2005, nach den Erfahrungen des Newropeans Demokratie-Marathon, startete ich die transatlantische Entsprechung im Rahmen meiner Arbeiten für TIESWEB. In 10 Bundesstaaten führte ich mit Amerikanern Diskussionen über die Zukunft der Beziehungen zwischen der EU und den USA. 2006 startete ich mit LEAP das Global Europa Antizipationsbulletin als Online-Veröffentlichung. Schon in der zweiten Ausgabe veröffentlichte eine Warnung vor dem Ausbrechen der umfassenden weltweiten Krise. GEAB wurde damit weltweit bekannt. Jeden Monat gebe ich den GEAB heraus, in dem die Trends der Krisen analysiert und die neuen Etappen vorhergesagt werden. 2009, am Vortag des G20 von London veröffentlichte LEAP auf einer vollen Seite der Financial Times einen Aufruf an die Staats-und Regierungschefs, die Reform des Weltwährungssystems anzugehen und insbs. den Dollar durch eine internationale Korbwährung zu ersetzen, da nur so das Chaos in Wirtschaft, Politik und auf den Finanzmärkten wieder unter Kontrolle gebracht werden könne. 2010 wird von der spanischen EU-Präsidentschaft mein Engagement für das Erasmus-Programm gewürdigt und ich habe die Ehre, auf die Liste der 20 Persönlichkeiten gesetzt zu werden, die unsere Welt verändert haben. |
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